Das Katharinenkloster liegt stolz auf dem Berg Sinai der gleichnamigen Halbinsel und wird von den Ägyptern Deir Sant Katerin genannt. Von Juden, Christen und Muslimen gleichermaßen als der Ort, an dem Moses die Zehn Gebote empfing, verehrt, bricht der Strom an Pilgern nicht ab. Man sagt, dass Gott aus einem brennenden Dornbusch zu Moses sprach.
Seit seiner Gründung im 6. Jahrhundert war das Katharinenkloster beinahe ununterbrochen von Mönchen bewohnt. Im 4. Jahrhundert soll an der Stelle, wo der brennende Dornbusch stand, von Kaiserin Helena eine Kapelle gebaut worden sein. Schon damals verwandelte sich die Kapelle sehr schnell in einen Wallfahrtsort, der im 6. Jahrhundert durch die Errichtung eines befestigten Klosters durch Kaiser Justinian ausgebaut wurde. Die befestigten Mauern des Klosters sollten sowohl Mönche als auch Pilger vor gewaltsamen Übergriffen von Räubern und Wegelagerern schützen.
Bedeutend später wurde das Kloster der Heiligen Katharina geweiht. Als frühe christliche Heilige ging sie durch das Martyrium der Folter auf einem gespickten Rad und wurde letztendlich enthauptet. Angeblich trugen Engel ihren leblosen Körper auf den Katharinenberg, der neben dem Berg Sinai liegt, wo ihn Jahrhunderte später einige Mönchen fanden.
Im Gegensatz zu früher kann man das Katharinenkloster heute über eine gut ausgebaute Straße leicht erreichen. Obwohl das Kloster noch immer bewirtschaftet wird und daher nicht alle Gebäude der Öffentlichkeit zugänglich sind, sollte man das Katharinenkloster besichtigen. Die Kirche der Verklärung innerhalb des Klosterkomplexes, die von Kaiser Justinian erbaut wurde, birgt zahlreiche Ikonen, die im Vorraum ausgestellt sind. Insgesamt verfügt das Katharinenkloster über etwa 2000 Ikonen, unter denen einige der ältesten existierenden Ikonen aus dem 5. Jahrhundert sein sollen.
In der Bibliothek will man die wichtigste Sammlung religiöser Manuskripte nach dem Vatikan aufbewahren. Wenn man bedenkt, dass sich ein deutscher Gelehrter den Codex Sinaiticus – eines der seltensten Stücke – auslieh und nicht mehr zurückbrachte, kann man verstehen, warum die Mönche nur widerwillig den Zugang zur Bibliothek gewähren. Der Codex Sinaiticus befindet sich heute in der British Library.
Das Katharinenkloster bietet innerhalb seiner Klostermauern auch Platz für eine Moschee. Sie wurde für einen, im Kloster arbeitenden Beduinen errichtet. Vielleicht wurde das Kloster gerade deshalb nicht von Muslimen angegriffen.
Das Katharinenkloster, das von außen wie ein schwer bewachtes Fort wirkt, ist auf jeden Fall ein Besuch wert.