Mons Claudianus

Etwa hundert Kilometer von Al Gouna entfernt findet man den Steinbruch Mons Claudianus, der zu Zeiten der Römer entstanden ist. Zwischen dem ersten und dritten Jahrhundert wurde hier von den Römern Granit, hellgrauer Gneis mit schwarz-grünen Färbungen, abgebaut. Zum Teil wurde der Granit in Bauten vor Ort verwendet, doch wurde der größere Teil in die Heimat verschifft, um dann in Prachtbauten der Römer verarbeitet zu werden. Die Römer nannten den Granit Marmor Claudianum.

Wie man bei Ausgrabungen feststellte, waren die Arbeiter im Steinbruch spezialisierte Kräfte, also keine Sklaven. Nach der Verpflegung dieser Arbeitskräfte zu urteilen waren sie hoch angesehen und konnten einigen Komfort genießen. Die Siedlung, in der die etwa eintausend Arbeiter untergebracht waren, liegt, wie der Steinbruch selbst, mitten in der Wüste und ist heute noch hervorragend erhalten. Durch die Abgelegenheit waren zwar keine Übergriffe von Feinden zu befürchten, doch war die Siedlung gut befestigt und mit Wachtürmen versehen.

Der Steinbruch gehörte wohl dem römischen Kaiser, wurde aber höchstwahrscheinlich vom römischen Militär verwaltet. Um die tonnenschweren Steine ins Niltal transportieren zu können, verwendete man Wägen mit mehreren Achsen. Obwohl für den Transport extra eine Straße gebaut wurde, dauerte es fünf Tage, bis die Fracht vom Steinbruch im Niltal ankam. Dies belegen die Lagerstätten, die entlang der Route in Abständen von jeweils einem Tagesmarsch errichtet waren und einige Türme sowie kleinere Stützpunkte der Armee, die in dieser Gegend stationiert waren.

Die Siedlung der Steinbrucharbeiter wurde im 19. Jahrhundert entdeckt, Grabungen fanden Ende des 20. Jahrhunderts statt. Durch das trockene Wüstenklima fand man bei diesen Grabungen etwa 50.000 gut erhaltene, römische Textilfragmente, Körbe, Schuhe und Papyrusfetzen sowie Knochen von Tieren und Pflanzenreste. Daher konnte man auch aufzeigen, von was sich die Steinbrucharbeiter ernährten.

Der wichtigste Fund waren aber beschriftete Scherben, anhand derer man mehr über die Verwaltung und die Lebensbedingungen der Arbeitskräfte erfahren hat. Der Lohn hier im Steinbruch war beispielsweise deutlich höher als im Niltal. Auch Materialanforderung und sonstige Bestellungen waren auf den Scherben verzeichnet.

Die Ernährung der Steinbrucharbeiter bildete sich hauptsächlich aus Getreide, Gemüse und Obst aus ägyptischem Anbau, sowie Fisch aus dem Roten Meer und Eselfleisch. Vermutlich wurde auch vor Ort Bier gebraut.

Obwohl es eine längere Fahrt bis zum Steinbruch Mons Claudianus ist, lohnt sich der Weg und man sollte sich die gut erhaltene antike Stätte keinesfalls entgehen lassen.